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  • Serena

Schmerzen im Gepäck

Meine Tipps fürs Reisen mit chronischen Schmerzen


Ich liebe es zu reisen! Das Neue, Aufregende und Überraschende bringen Schwung ins Leben 😊. Mit den Schmerzen, musste ich lernen, mein Unterwegssein ein wenig anzupassen, damit ich es trotzdem in vollen Zügen geniessen kann.

Weil uns das Gehirn vor weiteren Schmerzen schützen möchte, neigt es dazu, die Umgebung dauernd auf Gefahren abzuscannen (Hypervigilanz). Ich habe das daran gemerkt, dass ich zu Beginn der letzten Reise ängstlich und angespannt war und mir dauernd Sorgen gemacht habe. In manchen Städten war ich nach zwei Stunden komplett überreizt und manchmal mussten wir wegen der Schmerzen oder der Erschöpfung unsere Pläne ändern.


Kein Grund, deshalb auf all die Abenteuer zu verzichten, die da draussen auf mich warten! Ich hoffe, meine Tipps helfen dir die Balance zwischen Sicherheit und Abenteuer so hinzukriegen, dass dein Körper nicht überfordert ist und du trotzdem voll auf deine Kosten kommst.



Vor der Reise


Wie viel?

Logisch: Pass deine Reisepläne an dein Budget an.


Wohin?

Wähle ein Reiseziel, das dich schon immer angezogen hat. Vielleicht auch einen Ort, an dem du schon einmal warst und dich wohl gefühlt hast. Es muss nicht direkt für zwei Monate nach Neuseeland gehen. Vielleicht reicht auch ein Tagesausflug in eine grössere Stadt oder ein verlängertes Wochenende in den Bergen. Fühle in dich rein: Was fühlt sich für dich stimmig an? Was traust du dir zu?


Die erste «Reise», die ich mit Schmerzen machte, war eine Workation (eine Mischung aus Arbeiten und Ferien) in der Ferienwohnung meines Onkels, die ich von früheren Urlauben kannte.


Wie?

Bei der Wahl des Reiseziels spielt auch das «Wie» eine Rolle. Auto, Fahrrad, Bus, Zug oder doch mit dem Flugzeug? Auch hier fragst du dich am besten, womit du dich am sichersten fühlst. Jedes Transportmittel hat Vor- und Nachteile. Im Auto kannst du jederzeit anhalten und aussteigen. Im Zug kannst du immer wieder aufstehen, aber nicht beliebig anhalten. Im Flugzeug bist du schnell vor Ort, kannst aber nicht so schnell wieder nach Hause zurück.


Mit wem?

Ich persönlich würde dir raten, mit jemandem zusammen zu reisen. Das gibt Sicherheit und macht (mit der richtigen Person 😉) viel Spass! Freundin, Partner, Familie, … egal mit wem du unterwegs bist, sprich zuvor mit ihnen über die Reise. Was erwarten sie von der Reise? Was erwartest du? Welche Ängste hast du? Wie können sie dir helfen, die Schmerzen im Zaum zu halten? Was tut ihr, wenn du wegen der Schmerzen einen Pausentag einlegen musst? Was, wenn es gar nicht geht und du wieder nach Hause möchtest?


Mein Reisebuddy wusste, dass ich regelmässige Bewegung brauche, damit ich weniger Rückenschmerzen habe. Lange Busfahrten haben wir deshalb manchmal in zwei Etappen aufgeteilt. Wegen meiner Angst, dass ich zu erschöpft sein könnte, um viel zu unternehmen, haben wir gezielt Pausentage eingeplant. Schlussendlich hat es besser geklappt, als gedacht.


Was sagt der Arzt / die Ärztin?

Für opioidhaltige Medikamente braucht man einen speziellen Ausweis. Wenn Physio oder andere Therapien während der Reise wegfallen, solltest du möglicherweise deine Medikamentendosis anpassen. Spricht mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, falls nötig.


Was kommt mit?

Je nach Art deiner Schmerzen eignet sich ein Rucksack oder ein Koffer besser. Vielleicht kannst du gar nichts selbst tragen und musst mit deinem Reisebuddy besprechen, wie ihr mit dem Gepäck umgeht.

Nimm die Medikamente mit ins Handgepäck, so dass du versorgt bist, falls dein Koffer nicht ankommen sollte und achte darauf, dass sie vor Hitze und Kälte geschützt sind. Überlege dir, was du neben den Medis mitnehmen möchtest, damit du unterwegs gut für dich sorgen kannst.


Bei mir kommt zum Beispiel immer ein Igelball mit ins Gepäck.


Und wo schlafen?

Achte beim Buchen darauf, dass die Unterkunft zentral liegt oder nahe an einer Bus- oder Metrostation. Dann kannst du dich zwischendurch im Hotel ausruhen.




Unterwegs


Pausen sind wichtig

Plane nicht zu viel, lass Raum für Pausen und Spontanes. Das nimmt den Druck raus und hat so einen positiven Effekt auf die Schmerzen.


Lass alle Erwartungen los

Erwarte nicht, dass du dich unterwegs nur gut fühlen wirst. Gefühle und Schmerzen lassen sich nicht planen. Lass dich positiv überraschen und nicht runterziehen, falls etwas nicht so klappt, wie erhofft.


Steh für dich ein

Sprich darüber, wenn es dir nicht gut geht (natürlich auch, wenn es dir gut geht 😊). Mach eine Pause, wenn du eine brauchst und bleib in der Unterkunft, wenn du dich erholen musst. Lass deinen Reisebuddy auch mal alleine losziehen.


Uhh, das ist etwas, das ich gar nicht gut kann. Erstens, weil ich beim Reisen am liebsten alles sehen würde. Zweitens, weil ich niemanden im Stich lassen will. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich alles doppelt und dreifach büsse, wenn ich nicht auf meinen Körper höre.


Denk an deine Tools

Was zuhause hilft, hilft auch unterwegs.


Und dann: Geniessen, geniessen, geniessen

Und dann. Loslassen. Lass dich treiben, mitreissen, überwältigen. Lebe. Klingt pathetisch und ist gerade wenn man chronische Schmerzen hat nicht einfach, weil das Gehirn ständig alles auf Gefahren abscannt. Mir hat es geholfen, mich bewusst in schöne körperliche Empfindungen reinfallen zu lassen. Die erfrischend Gischt des Wasserfalls im Gesicht, das wohlige Gefühl im Magen nach einem leckeren Essen, der Geschmack von frischer Mango im Mund, das warme Meerwasser um den ganzen Körper, der Schweiss, der den Rücken runterläuft 😉, …



PS: Hast du eigene Tipps, die hier fehlen? Melde dich bei mir, damit ich die Liste ergänzen kann!





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