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Medizin neu denken

Gerade bei chronischen Schmerzen spielen alte Vorstellungen über Schmerz eine grosse Rolle. Erfahre, warum die Kirche dabei eine grösseren Einfluss hat, als wir denken und warum Schubladen schädlich sein können...

Körper vs. Psyche

Die meisten Menschen in der westlichen Welt glauben an die Trennung von Körper und Psyche. Bei einer Depression sollen wir zum Psychologen und bei Rückenschmerzen zur Rheumatologin. Doch woher kommt diese Trennung?

Der Ursprung liegt in der Kirche, die im Menschen einen sündigen Körper und eine unsterbliche Seele sah. Das hatte Auswirkungen auf die europäischen Naturwissenschaften. Die Medizin fokussierte sich auf die Anatomie des Körpers und überliess die Psyche den Psychiatern und Psychotherapeuten. Dank der grossen Fortschritte in der Schulmedizin sind heutzutage ein entzündeter Blinddarm, ein gebrochener Rücken, bösartige Viren und sogar Krebs kein automatisches Todesurteil mehr. Halleluja 😉

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So einfach ist es nicht…

Und doch gibt es ein Problem: Haben wir Schmerzen, nehmen wir automatisch an, dass es eine körperliche Ursache gibt. Rückenschmerzen? Kein Problem! Ab in die Röhre (MRI), und schon sieht man den Bandscheibenvorfall auf dem MRI-Bild. Tadaa, Ursache gefunden! Bringen Therapien und Medikamente keine Linderung, wird im schlimmsten Fall operiert. Was dabei das Problem ist, fragst du dich?

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Schmerz ist kompliziert

Ein MRI – Bild zeigt nicht, ob jemand Schmerzen hat oder nicht. Tatsächlich haben die meisten von uns degenerierte Bandscheiben, einen Bandscheibenvorfall oder Arthritis. Es ist oft ein natürlicher Alterungsprozess, genau wie graue Haare oder Falten. Das zeigt sich auch, wenn man anschaut, wer keine auffällige Wirbelsäule hat: Babies! In einer Studie, die im New England Journal of Medicine erschienen ist, wurden Menschen ohne Rückenschmerzen untersucht. Alle wurden vom MRI durchgescannt. Anschliessend liessen die Wissenschaftler*innen die entstandenen Bilder von Ärzt*innen analysieren. Obwohl keiner von ihnen Schmerzen hatte, fand man bei 64 Prozent Auffälligkeiten an der Wirbelsäule (Bandscheibenvorwölbungen, degenerierte Bandscheiben, etc.). Je älter die Personen waren, desto wahrscheinlicher war es, dass sie mehrere Auffälligkeiten hatten.


Jensen MC, Brant-Zawadzki MN, Obuchowski N, Modic MT, Malkasian D, Ross JS. Magnetic resonance imaging of the lumbar spine in people without back pain. N Engl J Med. 1994 Jul 14;331(2):69-73. doi: 10.1056/NEJM199407143310201. PMID: 8208267.

Inzwischen weiss man, dass es keinen Zusammenhang zwischen auffälligen MRI-Bildern und Symptomen gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum viele Rückenoperationen wenig effektiv sind. Es gibt sogar einen Namen für Rückenoperationen, die nicht funktioniert haben:
Failed-Back-Surgery-Syndrom.

Das heisst nicht, dass eine degenerierte Bandscheibe keine Schmerzen verursachen kann, aber es muss kein Indiz für Schmerzen sein. Aber woher kommen die Rückenschmerzen, wenn nicht aus dem Rücken selbst? Die Antwort darauf liegt im Gehirn.

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