top of page
Wissen_edited.jpg

Pain Reprocessing Therapy

Besser auf neuen Wegen stolpern,

als auf alten Pfaden auf der Stelle zu treten.

Casey und der Footballspieler sprachen beide sehr gut auf PRT an. Bei den meisten Patient*innen, die mit PRT arbeiten, dauert es etwas länger, bis sie sich besser fühlen. Besonders Caseys Fall hat jedoch dazu geführt, dass man PRT auch in einer ersten Studie untersucht hat. Wegen der Fernsehshow machte man zwei MRIs von Caseys Gehirn - eines vor und eines nach der Therapie – und man konnte sehen, dass sich die Aktivität in seinem Gehirn verändert hatte. Caseys Erfolgsgeschichte in Kombination mit den erstaunlichen MRIs war schliesslich der Anstoss für die Boulder Back Pain Study (Boulder Rückenschmerz-Studie).

Die Ursache liegt im Gehirn

Die Ursache für viele chronische Schmerzen findet man also im Gehirn. Das Gehirn hat gelernt, diesen Schmerz auszulösen. Nun denkst du vielleicht:

«Na toll! Und was hilft mir das? Willst du damit etwa sagen, ich bilde mir die Schmerzen nur ein?!»


Nein! Im Gegenteil! Die Schmerzen sind echt, brutal und gnadenlos. Doch die Lösung liegt nicht in deinem Körper, sondern in deinem Gehirn (wobei das ja auch ein Teil deines Körpers ist 😉)

Die Schulmedizin steht Menschen mit chronischen Schmerzen oft etwas hilflos gegenüber. Schmerzmittel, Physiotherapie, Antidepressiva – man versucht irgendwie die Symptome zu bekämpfen. Nun gibt es aber eine vielversprechende Therapie, die in den USA entwickelt wurde: die Pain Reprocessing Therapy. Dort lernen Patient*innen verschiedenen Techniken kennen, mit denen sie ihr Gehirn neu programmieren können. Die Schmerzen können so massiv reduziert und oft sogar ganz ausgeschalten werden.

Wie effektiv die Pain Reprocessing Therapy - kurz PRT - sein kann, zeigen diese beiden Beispiele aus Alan Gordons Buch «The Way Out»:

Ein ehemaliger College Footballer hatte zwei grosse Diskushernien, die teilweise auf seinen Nerv drückten. Seit dreissig Jahren konnte er weder sitzen, stehen noch gehen, ohne Schmerzen zu haben. Trotz dieser Diagnose war er nach zwei Monaten PRT schmerzfrei.

2014 war Casey ein ganz normaler Neuntklässler. Er liebte Star Wars und Basketball und hasste Algebra und Chemie. Eines Tages hatte er plötzlich stechende Bauchschmerzen. Seine Eltern liessen ihn mit Verdacht auf Blinddarmentzündung im Krankenhaus untersuchen. Doch auch nach einer Röntgenuntersuchung, MRIs, CTs und sogar Laparotomien (Operationen, bei denen der Bauchraum geöffnet und nachgeschaut wird, was nicht stimmt) fanden die Ärzte und Ärztinnen nichts, was für die Bauchschmerzen verantwortlich sein könnte.
Casey hatte immer mehr Probleme, in der Schule zu funktionieren. Er verliess das Basketballteam und musste schliesslich sogar die Schule verlassen. 2016 wandten sich seine Eltern aus purer Verzweiflung an eine amerikanische Fernsehshow «The Doctors», die sich besonders schweren und rätselhaften Fällen annahmen. Sie wandten sich an Alan Gordon. Nach drei Monaten PRT war Casey schmerzfrei.

Caseys-Gehirn-PRT.jpg

Die Boulder Back Pain Study

Vor der Studie hatten die Teilnehmer*innen zwei Dinge gemeinsam:

  • Alle hatten chronische Rückenschmerzen

  • Medizinische Hilfe hatte bei niemandem langfristig helfen können.

Die Studie dauerte einen Monat. Ein Drittel der Teilnehmer*innen bekam Placebo-Spritzen mit Salzwasser in den Rücken, ein Drittel fuhr mit der bisherigen Behandlung fort und das letzte Drittel erhielt pro Woche zwei Sitzungen Pain Reprocessing Therapy. PRT wurde von Alan Gordon und seinem Team am Pain Psychology Center in Los Angeles entwickelt. Sie konnten mit dieser Therapie bereits viele Menschen mit chronischen Schmerzen erfolgreich behandeln. Mit der Boulder Back Pain Study wollte man diese Erfolge nun auch wissenschaftlich bestätigen. Und das gelang auch! Die deutlichen Ergebnisse hat selbst die Studienleiter*innen überrascht.

Boulder Back Pain Study.JPG

Von den Patient*innen in der PRT-Gruppe, waren nach dem Ende der Studie zwei Drittel der Patient*innen schmerzfrei! Zwei Drittel! Bei 98 Prozent gab es zumindest eine Verbesserung. Die fMRI Scans vor und nach der Therapie zeigten, dass sich ein Bereich, der für die Schmerzverarbeitung zuständig ist, verändert hat. Der Bereich heisst anterior Insula und ist eng verbunden mit dem limbischen System (Limbisch) und dem Thalamus (Thali).

Ashar YK, Gordon A, Schubiner H, Uipi C, Knight K, Anderson Z, Carlisle J, Polisky L, Geuter S, Flood TF, Kragel PA, Dimidjian S, Lumley MA, Wager TD. Effect of Pain Reprocessing Therapy vs Placebo and Usual Care for Patients With Chronic Back Pain: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2022 Jan 1;79(1):13-23. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2021.2669. PMID: 34586357; PMCID: PMC8482298.

Die Studie war vergleichsweise klein, mit einer ausgewählten Gruppe an Patient*innen und muss auf jeden Fall noch bestätigt werden, aber diese ersten Resultate stimmen doch sehr zuversichtlich 😊. Ich kenne einige Menschen (mich miteingeschlossen), die mit PRT grosse Fortschritte erzielt haben. 

Viele Techniken aus der PRT stelle ich dir in der Rubrik «Werkzeuge» vor. Der erste und wichtigste Schritt der Pain Reprocessing Therapy ist jedoch, zu verstehen, was Schmerz ist und wie er entsteht.

 

Legen wir los!

bottom of page