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  • Serena

Dein neuer Best-Buddy: der Vagus-Nerv

Aktualisiert: 2. Juni 2022

Darm-Hirn-Connection Teil 1

Darm-Hirn-Connection

Die Bombe lasse ich gleich zu Beginn platzen: Neueste Forschung zeigen, dass Darm und Gehirn in vielerlei Hinsicht ein Organ sind. Krass, nicht wahr?! Darm und Hirn sind sehr ähnlich aufgebaut und ganz eng miteinander verbunden. Was im Darm abgeht, hat einen grossen Einfluss aufs Gehirn. Die beiden tauschen sich ständig aus. Die wichtigste «Telefonleitung», die die beiden miteinander verbindet, ist der Vagus-Nerv. Er arbeitet mit vielen anderen Nerven zusammen. Gemeinsam bilden sie die Darm-Hirn-Connection oder Darm-Hirn-Achse.


Der Vagus-Nerv

Der Vagus-Nerv sieht aus wie die verzweigten Wurzeln eines Baumes. Wie ein Geheimagent hat er überall seine Finger drin. Damit horcht er in jede noch so kleine Windung des Darms, hat Verbindungen zum Magen, zum Kehlkopf und zur Speiseröhre und berichtet dem Hirn, was im Körper gerade abgeht oder meldet, dass wir hungrig sind und Lust auf Spaghetti haben. Ausserdem löst er unsere Mimik aus und beeinfluss unsere Beziehungen wesentlich. Das ist auch der Grund weshalb Gefühle so eng mit dem Magen verbunden sind. Der Informationsfluss ist jedoch ziemlich einseitig. Neunzig Prozent der Informationen gehen vom Darm ans Gehirn und nur zehn Prozent in die andere Richtung.


Die beiden Gegenspieler

Der Vagus-Nerv hat den Blick nach innen gerichtet. Sind wir entspannt, ist der Vagus-Nerv aktiv und die Verdauung voll im Schwung. Der Körper nimmt Nährstoffe auf und regeneriert. Sein Gegenspieler ist der Stress-Nerv. Er richtet seine Aufmerksamkeit nach aussen und hat die Aufgabe, uns zu schützen, wenn’s brenzlig wird. Das Blut unseres Körpers wird dann vor allem fürs Herz, die Muskeln und die Lunge gebraucht, damit wir möglichst schnell davonlaufen oder angreifen können.


Dauerstress

Stress muss für unseren Körper nicht unbedingt was schlechtes sein. Solange er nicht von Dauer ist, tut er uns sogar gut. Es kann jedoch sein, dass der Stress-Nerv dauerhaft aktiv ist. Dann kommen wir nicht mehr runter, haben Schlafprobleme, Verdauungsbeschwerden und unser Interesse an sozialen Beziehungen nimmt ab. Sind wir über Jahre im Dauerstress kommt der Körper nicht mehr klar. Er kann sich nicht regenerieren, das Immunsystem wird schwächer und hat Mühe selbst kleine Entzündungsherde in Schach zu halten. Das liegt unter anderem daran, dass der grösste Teil der Immunzellen im Darm angesiedelt sind (ca. 80 Prozent). Der Darm wird jedoch vom Stress-Nerv vernachlässigt.

Chronische Schmerzen sind für Körper und Psyche ein zusätzlicher Stressfaktor, der zum ganzen Alltag noch obendrauf gepackt wird. Die Schmerzen lösen Ängste aus, ganz normale Situationen werden zur Gefahr (z.B. auf einem Stuhl sitzen) und der Bodyguard ist im Dauereinsatz.


Eine langjährige Freundschaft

Gerade deshalb lohnt es sich, zum Vagus-Nerv eine gute Beziehung aufzubauen. Er wird sich gut um dich kümmern! Und nicht nur das: Ist der Vagus-Nerv aktiv, entspannt sich der Darm und das Gehirn beruhigt sich. Dadurch senkt sich die Schmerzintensität, das Immunsystem kann arbeiten, wir nehmen Nährstoffe besser auf und wir haben ein besseres Gefühl für uns selbst, unsere Bedürfnisse (z.B. Hunger) und Gefühle, was wiederum einen Einfluss auf unsere Handlungen hat.


Vagus-Nerv-Training

Doch wie bringen wir den Vagus-Nerv in Schwung? Wissenschaftlich gut erforscht ist Yoga. Menschen, die Yoga praktizieren haben kurz- und langfristig eine höhere Vagus-Aktivität. Was aber, wenn Yoga gar nicht deins ist? Dann kannst du den Vagus-Nerv mit Atemübungen, Bewegung, Achtsamkeit, gesunder Ernährung, kurzzeitigem Fasten, Massagen, Musik (therapie), Gesprächstherapie und guten Beziehungen aktivieren.


ABER

Vielleicht denkst du dir nun: Super, diese 30-Tage-Yoga Challenge wollte ich schon lange machen! (Vielleicht auch nicht, aber lies trotzdem weiter 😉). Das könnte jedoch nach hinten losgehen. Der Vagus-Nerv wird nicht durch Selbstoptimierung aktiviert. Auch ein wöchentlicher Termin für eine Massage wird nicht gewünschten Effekt haben, wenn du währenddessen deine To-Do Liste durchgeht. Es geht eher darum einen dauerhaften Kontakt mit deinem Körper aufzubauen, immer wieder einzuchecken, zu schauen, wie es ihm gerade geht und ihn zu fragen, was er gerade braucht.

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