Die Magie von Büchern
- Serena
- 28. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Ich sitze da. Schaue hinaus ins nasskalte, graue Winterwetter und bin immer noch tief berührt. In Gedanken an einem Fjord in Norwegen. Bei einer Frau, die ihren Mann verloren und ihren Job auf einer Bohrinsel aufgegeben hat, um in die Einsamkeit zu fliehen, damit sie mit ihrem Schmerz niemanden mehr belastet. Ich bin mit ihr durch tieftraurige Täler gegangen, habe mit ihr einen tränenerfüllten Winter erlebt. Gemeinsam haben wir Mats, einen verletzten Vogel, gesundgepflegt und haben auf Wanderungen in zu grossen Schuhen die Umgebung ums Haus herum, die Pflanzen- und Tierwelt entdeckt. Ich habe mit ihr erlebt, wie sich die Trauer von einem riesigen Tsunami, der alles mit sich reisst, in einen ruhigen See verwandelt. Einen See, an den man immer wieder zurückkehren kann und der bis ans Ende ein Teil der inneren Landschaft wird. Zusammen haben wir uns mit vorsichtigen, kleinen Schritten hinaus aus der Einsamkeit gewagt, getragen von der heilsamen Kraft der Natur Vertrauen aufgebaut und Verbindungen zu neuen Menschen geknüpft. Sogar neu verliebt. Wie wunderschön, mitzuerleben, wie aus der Asche eines vergangenen Lebens die zarten Triebe eines Neuen spriessen kann.

Wer das alles auch miterleben möchte, dem kann ich „Die Frau und der Fjord“ von Anette Strohmeyer nur ans Herz legen.
Einmal mehr bin ich berührt von der Kraft einer gut geschriebenen Geschichte, in die man abtauchen, sich selbst vergessen und in einer anderen Person aufgehen kann: Ich habe auf einem Fjord gelebt und den Tod meines Mannes verarbeitet, habe ein Jahr mit einem Team in der Antarktis überwintert, einen Mord in einem Internat aufgeklärt, mit einem Göttersohn ein Imperium gestürzt (und mich dabei natürlich verliebt), als Teenager mit leichten Depressionen endlich wieder den Himmel berührt und bin als Japanerin auf die Spuren meiner Familiengeschichte gegangen.
Dank Büchern habe ich schon hunderte von Leben gelebt. Dass aus Zeichen, die mit schwarzer Druckertinte auf Papier gepresst wurden, im Kopf tausend neue Welten entstehen, ist für mich pure Magie!

Kürzlich habe ich erfahren, dass es die sogenannte Bibliotherapie gibt. Dort wird, meistens in Kombination mit einer Gesprächstherapie, gelesen, selbst geschrieben oder über poetische Texte gesprochen. Wie schön ist das denn?? Ich kann mir total vorstellen, dass das helfen kann. Man kann für einen Moment raus aus seinem Kopf, fühlt sich verstanden (gerade wenn es in dem Buch um Menschen geht, mit denen man sich identifizieren kann), man kann durch die gemachten Erfahrungen eine andere Perspektive einnehmen und findet vielleicht Lösungen, die man zuvor nicht gesehen hat.
Hier einige Empfehlungen zum Abtauchen in eine andere Welt:




















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