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  • Serena

Meine wahre Natur

Aktualisiert: 5. März 2023

Oder: Wie ich kapiert habe, dass ich ein Nilpferd und kein Nashorn bin.


Wir alle sind unterschiedlich gestrickt.

Alle Menschen mit chronischen Schmerzen, die ich kenne, beschäftigt das «Warum?». Was ist die Ursache für meine Schmerzen?

Gerade bei chronischen Schmerzen ist diese Ursache nicht einfach herauszufinden, auch nicht für die Schulmedizin. Wahrscheinlich weil es nicht nur DIE eine Ursache gibt. Ich persönlich habe inzwischen für mich einige Antworten auf das «WARUM?» gefunden. Einer der Gründe ist, dass ich sehr lange gegen meine Natur angekämpft habe…





Meister der Anpassung

Als Kind war ich aktiv und neugierig. Gleichzeitig war ich zurückhaltend und stand nicht gerne im Mittelpunkt. Immer wieder merkte ich – durch Rückmeldungen von aussen - dass das ein Problem ist. Durch viel Übung konnte ich irgendwann problemlos vor Leuten stehen, Smalltalk machen und mich in einer Gruppe einbringen. Wenn man heute Bekannte von mir fragt, würden sie mich wahrscheinlich sogar als extrovertiert beschreiben.

In meinem Job war ich erfolgreich, er hat mir Spass gemacht und mir viel gegeben. Eigentlich. Denn irgendetwas fühlte sich nicht richtig an. Etwas passte nicht. Ich machte mir Sorgen und hatte viele Ängste. Auch mein Körper meldete sich immer wieder mit Infekten, Schmerzen oder Erschöpfung. Trotzdem mache ich weiter, versuchte bessere Stressbewältigungsstrategien zu finden und an mir zu arbeiten. Dass das Problem nicht alleine bei mir lag, dämmerte mir erst viel später.


Wir Menschen hätten wahrscheinlich nicht so lange überlebt, wenn wir nicht herausragende Anpasser wären. Kein anderes Tier hat sich so erfolgreich über den ganzen Erdball ausgebreitet und lebt in so vielen unterschiedlichen Klimazonen.

Alleine hätten wir das nicht geschafft. Unsere Stärke liegt in der Gruppe. Wir sind auf unseren Clan angewiesen, um zu überleben. In jedem Clan gibt es Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die besonders gefragt sind. Wir lernen schon als Kinder, wie wir sein sollten, um in der Welt zu bestehen und wie ein erfolgreiches Leben aussieht: Schule, Karriere, Heirat, Kinder, …

Zu manchen Menschen passt die kulturelle Norm besser, zu anderen weniger gut. Doch die meisten von uns versuchen sich, zumindest zu Beginn des Erwachsenenlebens, so gut wie möglich an die Norm und an die Wünsche von Aussen anzupassen. Irgendwann haben wir dann den Partner oder die Partnerin, die Kinder, die Eigentumswohnung, die Karriere und sind trotzdem nicht glücklich, sondern gestresst, müde und erschöpft. Warum? Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber eine der Ursachen sehe ich darin, dass wir nicht so leben, wie es uns gut tut.


Von Nashörnern und Nilpferden

Auf Youtube gibt es ein Video von Nilpferd Charlie, der früh von seiner Mutter verstossen wurde und in einer Auffangstation gemeinsam mit Nashörnern aufwächst.

Charlie links, sein Nashorn-Freund rechts 😍


Nilpferde sind eigentlich nachtaktiv, weil dann die Sonne nicht scheint und verbringen tagsüber die meiste Zeit im Wasser. Weil Charlie aber nur Nashörner kannte, lernte er, wie ein Nashorn zu leben. Er war tagsüber aktiv, mochte kein Wasser und musste regelmässig mit dem Schlauch abgespritzt werden, damit er runterkühlen konnte. Er dachte, er sei ein Nashorn. Erst als er Moomin kennenlernte, ein anderes Nilpferd, lernte er seiner Natur entsprechend zu leben und war bald aus dem Wasser nicht mehr rauszukriegen.


An diesem Punkt stehe ich gerade. Ich habe kapiert, dass ich versucht habe, wie ein Nashorn zu leben, obwohl ich ein Nilpferd bin 😉. Oft habe ich mich dafür verurteilt, dass mir das Leben als Nashorn so schwer fällt. Aber das war kein Wunder, denn ein grosser Teil meines Nilpferd-Daseins beinhaltet, dass ich hochsensibel bin. Wollte ich nie sein. Bin ich aber. Dagegen anzukämpfen war wie ein Nilpferd, das sich weigert ins Wasser zu gehen, weil es wie alle anderen sein will und deshalb einen deftigen Sonnenbrand – in meinem Fall chronische Schmerzen - bekommt. Im Moment beschäftige ich mich viel mit dem Thema, damit ich besser verstehe, was ich brauche, damit es mir gut geht.


Vielleicht ist es bei dir nicht die Hochsensibilität, aber ich glaube chronische Schmerzen können entstehen, wenn man versucht sich mit aller Kraft in eine Box hineinzuzwängen, die einfach nicht passt.


Wie geht es dir in deinem Leben?

  • Weiss du, was dir gut tut?

  • Kennst du deine Grenzen und kommunizierst sie nach Aussen?

  • Freust du dich morgens auf den Tag?

  • Kannst du mit den Menschen um dich herum ehrlich darüber sprechen, wie es dir geht?

  • Kannst du die Fünf auch mal gerade sein lassen?

  • Kannst du gut ein- und durchschlafen?

  • Hast du eine gesunde Beziehung zum Essen und isst so viel wie du brauchst?

  • Hast du einen gesunden Umgang mit Netflix, Social Media, Alkohol und anderen Genussmitteln?

  • Machst du dir manchmal Gedanken über die Zukunft, aber sie belasten dich nicht?

  • Fühlst du dich grundsätzlich wohl in deinem Leben?

Falls du viele Fragen mit «nein» beantwortet hast, ist es bestimmt sinnvoll, dir dein Leben mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch wenn von aussen betrachtet alles tip top ist und du nicht genau weiss, woher dieses ungute Gefühl kommt. So ging es auch Nick (dessen Geschichte mich übrigens zu diesem Blogartikel inspiriert hat).



Nicks Weg

Nicks Weg ist ein tolles Beispiel für alle Introvertierten, die das Gefühl haben ein extrovertiertes Leben aufbauen zu müssen. Nick hatte keine chronischen Schmerzen, aber andere Probleme, die aufzeigten, dass sein Leben nicht zu ihm passte:


©Instagram: nickkeomahavong

Als Kind von Immigranten lebte Nick in Los Angeles und war er es sich gewohnt hart zu arbeiten. Er hatte viel Erfolg. Zuerst machte er Karriere im Immobilienbusiness, merkte dass die Branche nicht zu ihm passte und wurde dann Therapeut. Auch als Therapeut machte er einen super Job, leitete Gruppentherapien, führte Teams von Therapeuten, machte sich selbstständig und verfolgte nebenher seinen Traum, als Tänzer erfolgreich zu werden.

Tag und Nacht war er unterwegs, lebte seinen Traum, tanzte in Musikvideos mit, hatte sein Leben im Griff und war trotzdem nicht glücklich.


Da war diese innere Leere, die er nicht füllen konnte, egal wie erfolgreich er war. Warum? Lange war ihm nicht klar, was los war. Je ehrlicher er jedoch zu sich selbst war, desto mehr erkannte er, dass er eigentlich introvertiert ist, viel Zeit für sich braucht und am liebsten über die grossen Fragen des Lebens nachdenkt. Immer mehr vertraute er seiner inneren Stimme und ging seinen eigenen Weg. Das führte dazu, dass er mehrere Jahre als Mönch in Thailand lebte. Das Leben als Mönch war hart, aber Nick fühlte sich lebendiger und zufriedener als je zuvor in seinem Leben. Im Kloster konnte er Menschen bei Retreats begleiten und hatte gleichzeitig viel Zeit, um alleine zu sein und sich mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. Das entspricht seiner Natur und er konnte sich voll und ganz entfalten. Heute lebt er als buddhistischer Mönch in den USA und versucht so vielen Menschen wie möglich weiterzugeben, was er auf seinem Weg gelernt hat.


Nicht dass wir alle unsere Erfüllung in einem thailändischen Kloster finden😉. Aber Nicks Beispiel zeigt, dass es sich lohnt, auf seine innere Stimme zu hören und seinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn dieser Weg nicht IN oder einfach ist. Denn auch wenn wir heute in einer Zeit mit grossen Herausforderungen leben, eines können wir mehr als jemals zuvor: Selbst entscheiden, wie wir leben möchten 😊! Mega cool!


Aber woher wissen wir überhaupt, welcher Weg zu uns passt?


Den inneren Kompass ausrichten

Ich stehe gerade vor einer Weggabelung mit vielen möglichen Abzweigung und bin weit entfernt davon Expertin für den eigenen Weg zu sein. Deshalb kann ich hier keine Tipps geben, sondern möchte einfach mit dir teilen, was ich bisher herausgefunden habe:


  1. Einen guten Draht zu mir und meinen Gefühlen entwickeln Mein Bauchgefühl ist mein innerer Kompass . Immer mehr merke ich, wie wichtig ein guter Draht nach Innen ist. Damit dieser Draht stark wird und gut leitet, meditiere ich einmal am Tag und versuche immer wieder aktiv meinen Körper wahrzunehmen, egal was ich gerade tue. Bevor ich (grössere) Entscheidungen treffe, halte ich inne und checke ab, ob mein Bauch damit einverstanden ist.

  2. Annehmen was ist Unangenehme Gefühle halte ich nicht gut aus. Wenn ich mich unsicher, traurig, gedrückt oder melancholisch fühle, versuche ich tendenziell (unbewusst) mir die Gefühle schön zu reden (passt doch alles, wie es gerade ist / es gibt doch keinen Grund, traurig zu sein / …) oder was dagegen zu tun und die Gefühle aktiv zu verändern (mich ablenken / Schokolade essen / lustige Videos schauen / …). Nun versuche ich, Gefühle da sein zu lassen (ich kann mich auch traurig mit Freunden treffen oder melancholisch zur Arbeit gehen) und einfach nichts zu tun. Braucht viel weniger Energie und Schoki esse ich, egal ob es mir gut geht oder nicht 😉.

  3. Spaghetti an die Wand werfen ... Ich weiss noch nicht genau, was ich in meinem Leben verändern möchte. Deshalb «werfe ich gerade viele Spaghetti an die Wand und schaue, welche kleben bleiben». Heisst: ich probiere Neues aus, spreche mit vielen Menschen, lese Blogs von Menschen, die mir ähnlich sind, höre mir Podcast zu verschiedenen Themen an. Dabei merke ich, was davon in mir etwas auslöst – Sehnsucht weckt (das hätte ich auch gerne) & einen Funken zum Glühen bringt – und was nicht.

  4. Es gibt nicht DEN einen eigenen Weg Die Vorstellung, es gäbe nur EINEN einzigen richtigen Weg, macht Entscheidungen unnötig schwer und stimmt nicht. Es gibt unzählige Lebenswege, die zu einem Menschen passen und Kurskorrekturen sind immer möglich. Wer sich für das Thema interessiert: Ich kann das Buch "Die Mitternachtsbibliothek" von Matt Haig sehr empfehlen.

  5. Klein anfangen Man muss sein Leben nicht von heute auf morgen auf den Kopf stellen, aber man kann sich mal überlegen, an welchen Stellschrauben man drehen könnte. z.B.: Rausgehen tut mir gut? Okay, dann versuche ich das öfters zu machen. Durchgeplante Tage stressen mich? Okay, dann versuche ich gezielt Pausen einzubauen und schaue, dass die Tage / Wochen danach weniger voll sind.

  6. Vertrauen haben Wo ich in einem oder in fünf Jahren stehen werde? Keine Ahnung. Auch wenn es mir schwer fällt, versuche ich dem Prozess zu vertrauen. Jede noch so kleine Änderung, die mehr zu mir führt, wird dazu führen, dass sich mein Leben in die richtige Richtung verändert.


Und nun wünsche ich dir viele Erkenntnisse beim Entdecken, Verzweifeln, Umfallen, wieder aufstehen und weitermachen. Vertrau auf deine innere Stimme und traut dich, etwas zu verändern 😊💪.



PS: Für alle, die auf süsse Tiervideos stehen, hier noch Charlies Video und Nicks YouTube Kanal, den ich sehr empfehlen kann.


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