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"Weil Sie es sich wert sind"

Wie ich mir Gesundheit kaufen wollte und bei echter Self Care gelandet bin...


Self Care Shopping

Kürzlich bin ich auf YouTube über dieses Video gestolpert: «Let’s go to target and buy self care products (1.3 Mio Views) – Lass uns zu Target gehen und Self Care Produkte kaufen».

Frau schaut kritisch auf einen YouTube Beitrag.

Aus reiner Neugier habe ich reingeklickt und habe gestaunt, was man für die Self Care heutzutage alles braucht: Gesichtsmasken mit kleinen Sternen und Glitzer, Body Scrub, Kopfmassage – Tool, Body Wash, Schwamm, Badetuch, Face Wash, Moistoriser, Shampoo, Öl-Spray, Condishoner, … es wollte gar nicht mehr aufhören. Als die YouTuberin in die Food-Abteilung wechselte, hatte ich genug und schaltete das Video aus. Sie war begeistert von ihrem Shoppingtrip, den sie zwei Stunden und 125 Dollar kostete, ich war genervt. Und merkte nicht, dass ich eigentlich (fast) dasselbe gemacht hatte, als es um meine Gesundheit ging 😆.


Doch von vorne: Was bedeutet Self Care? Chatgpt?

«Self Care bezieht sich auf die bewusste und aktive Pflege des eigenen Wohlbefindens, sowohl körperlich als auch geistig. Es beinhaltet Maßnahmen und Aktivitäten, die darauf abzielen, Stress abzubauen, die Gesundheit zu fördern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga, aber auch das Setzen von Grenzen und das Priorisieren der eigenen Bedürfnisse. Self Care ist wichtig, um ein Gleichgewicht im Leben zu finden und sich um sich selbst zu kümmern, um langfristig gesund und glücklich zu bleiben.» (Chatgpt, 27.07.2023)

Der kurze Dopamin-Kick

Self Care hat also nix zu tun mit dem perfekten Shampoo oder einem Schaumbad mit Duftkerzen-Licht, sondern mit gesunden Verhaltensweisen 💪😴☀️. Doch warum funktioniert die Vermarktung mit Self Care so gut? Meine Meinung: Self Care ist manchmal echt anstrengend und unangenehm. Konsum ist bequem und verleiht uns das gute Gefühl, was getan zu haben – auch wenn der Effekt höchstens kurzfristig ist.


Beispiele von mir:

  • Eigentlich bin ich super müde und sollte ins Bett, obwohl es erst acht Uhr abends ist. Ich habe darauf keinen Bock und schau mich mit meiner Lieblingsserie glücklich. Am nächsten Morgen bin ich gerädert, weil ich nicht aufhören konnte…

  • Ich kann kaum laufen. Aber weil ich mir von den Schmerzen mein Leben nicht versauen lassen will, fahre ich trotzdem an die Buchmesse in Frankfurt. Ich lasse mich berieseln und ablenken, will mich nicht aufhalten lassen und übertreibe komplett. Die Schmerzen danach sind kaum aushaltbar.

  • Ich bin genervt und fühle mich unwohl. Anstatt mich um meine Gefühle zu kümmern, esse ich Schoki. Kurz fühle ich mich besser, danach jedoch noch schlechter als zuvor.

  • Nach einer intensiven Arbeitsphase will ich mich belohnen und gehe shoppen. Das neue Kleid gibt mir kurz einen Dopaminkick, zwei Wochen später liegt es vergessen im Schrank.

Danke Kapitalismus für dieses nicht erfüllte Versprechen 🙏🥳. Konsum ist nicht die Lösung. Er bringt weder Gesundheit, noch lang anhaltende Zufriedenheit. Sonst wären wir längst die gesündesten und glücklichsten Menschen, die jemals gelebt haben. Aber wenn ich mich so umschaue, ist das, zumindest in meiner Wahrnehmung, nicht der Fall.


«Konsum macht mich nicht gesund». Das war mir klar und doch habe ich in den Schmerz-Jahren so einiges an (vermeindlich) schmerzlindernden Produkten ausprobiert: Tape, Faszien-Rolle, japanische Bambuspflaster, Igelball, Faszienball, Wärmepflaster, Lavendeltabletten, Schwefelbad (das Zeug stinkt!), homöopathische Tropfen, Nahrungsergänzungsmittel, Handgelenkschoner, angepasste Schuheinlagen, diverse Therapien, die nicht von der Krankenkasse übernommen wurden … Ich wollte es so gerne glauben. Glauben, dass ich mich mit diesen Dingen endlich besser fühlen würde. Ausserdem wollte ich ein kleines Stück Kontrolle zurück, das Gefühl nicht nur untätig in der Ecke zu sitzen, während mein Körper völlig ausser Kontrolle geraten war.


Hoffnung. Das ist das Lockmittel der Unternehmen. Denn wenn man chronische Schmerzen hat, ist man zu allem bereit. Doch Spoiler: Langfristig geholfen hat - ausser dem Igelball für 9.90 Fr. - keines dieser Produkte 🙈.


Kapitalismus im Wartezimmer

Die Konsum-Mentalität schleicht sich in viele Bereiche unseres Lebens. Auch in die Arztpraxis 🏥😷. Viele Patient*innen möchten am liebsten eine Wunderpille, mit der sich alle ihre Beschwerden in Luft auflösen 🍬😍. Auch ich habe mich so sehr nach Erlösung gesehnt, dass ich beinahe alles mitgemacht hätte. Vor jedem neuen Arzttermin habe ich mich wochenlang darauf gefreut und hatte gleichzeitig Schiss. Gefreut hatte ich mich, weil ich hoffte, dass es dieses Mal eine Diagnose und damit eine Lösung für mein Problem gäbe. Schiss hatte ich, weil ich schon oft erlebt hatte, dass diese Hoffnung enttäuscht wurde. Nicht weil die Ärztinnen oder Ärzte nicht helfen wollten. Da habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Es war einfach ein Trial and Error - Spiel mit verschiedenen Diagnosen und Behandlungen, von denen schlussendlich nur wenige langfristigen Erfolg hatten. Ich habe schnell verstanden, dass ich selbst die Verantwortung hatte. Nur ich konnte entscheiden, was sich für meinen Körper richtig anfühlte. Nur ich konnte entscheiden, wie weit ich bei den Behandlungen gehen wollte. Was das Ganze nicht einfacher machte...


Echte Self Care für echte Gesundheit

Die Lösung für mein Problem fand ich schlussendlich in der richtigen Physiobehandlung (auf die ich durch einen Zufall gestossen war) und vor allem in mir selbst. Ich habe gelernt, was Self Care bei chronischen Schmerzen bedeutet und habe gelernt besser für mich zu sorgen. Tatsächlich Self Care zu betreiben.

Mann sorgt für sich selbst und macht echte Self Care.

Das hiess vor allem, besser auf meinen Körper zu hören. Pausen zu machen. Nicht so streng zu mir zu sein. Grenzen zu setzen – für mich selbst und gegenüber von anderen. Lernen mich selbst zu beruhigen, wenn ich Angst hatte, anstatt mich fertig zu machen und anzutreiben. Meine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu befriedigen (z.B. das Bedürfnis nach Schlaf, Essen oder einer Schulter zum Anlehnen). Um Hilfe zu bitten. Lernen, mich zu entspannen. Meine Gefühle zu fühlen, ohne daran etwas verändern zu müssen.


Alles Dinge, für die man keine Produkte braucht.


Self Care ist simpel, in unserer hektischen Welt aber nicht einfach umzusetzen: genug Schlaf, Bewegung (muss kein Leistungssport sein😉), eine ausgewogene Ernährung, ab und zu mit Leuten rumhängen, die man mag, sich in einem gesunden Mass abgrenzen und zwischendurch die Seele baumeln lassen.


In diesem Sinne: Passt auf euch auf 💕


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